12.05.2021 – 27.06.2021

Annika Hippler – La chambre claire

Bettina Scholz – Viele Stimmen

Unsere Doppel Solo-Ausstellung bringt erstmalig zwei Künstlerinnen zusammen, die bereits beide ihre Arbeiten schon in unseren Räumen präsentiert haben. Bettina Scholz’ Malerei und Annika Hipplers Luminogramme sind in ihren jeweiligen Techniken und formalen Bildfindungen äußerst eigenständig. Beschäftigt sich die eine fotografisch auf sehr poetische Weise mit dem physischen Wesen der Dinge, lässt die andere die Dinge schemenhaft durch den Nebel und oft transzendent hinter Glas erahnen.

Die Ausstellung zeigt die beiden Künstlerinnen in zwei Einzelpräsentationen. Kanya&Kage setzt so die Werke von Hippler und Scholz zwar nicht in einen direkten Dialog miteinander, lässt sie jedoch zeitgleich auftreten. Denn auf der Oberfläche zeigen sich durchaus Parallelen: Die scheinbare Abstraktion, das wolkig Ephemere, ja vielleicht das geisterhafte, die reduzierte Farbigkeit. Struktur und Form erscheinen hier als ordnende Prinzipien einer magischen entrückten Materialität.

Annika Hippler

Annika Hippler arbeitet mit Licht. Neben großformatigen Rauminstallationen mit Laserlicht erschafft sie umfangreiche Werkreihen analoger Luminogramme. Nach ihrer Soloshow „Lightworks from the darkroom“ (2019) zeigt sie nun unter dem Titel „La chambre claire“ zum zweiten Mal eine Auswahl aus diesem Zyklus im Kanya&Kage.

Das Luminogramm stammt aus der Zeit vor der Erfindung der Kamera, also aus der Frühzeit der Fotografie. Es bezeichnet das direkt belichtete Fotopapier. Es handelt sich bei jedem Bild um ein Unikat und nicht um den Abzug eines Motivs. Annika Hippler hat das Prinzip der kameralosen Fotografie weiterentwickelt, um fluide Wasserströme zu durchleuchten. In der Dunkelkammer entlockt sie den Wellen und Wirbeln ein unendliches Repertoire flüchtiger Formen, die ineinander fließen und Resonanzen bilden. Hippler lässt dem Element dabei freien Lauf und fängt seine Schatten und Reflexe ein.

Das Ergebnis sind poetisch schöne Abstraktionen, sich im Nichts verlierende Spuren purer Bewegungsimpulse. In dieser Gegenstandslosigkeit wird vielleicht eine ästhetische Phänomenologie chaotischer Systeme sichtbar, vielleicht aber auch das imaginäre Potential im subjektiven Auge des Betrachters. Denn gerade ohne Motiv gibt es manchmal „ein jähes Erwachen, durch keinerlei »Ähnlichkeit« ausgelöst, das satori, wo die Worte versagen, die seltene, vielleicht einzigartige Evidenz des »So, ja, so, und weiter nichts«“. (Barthes, Roland: Die helle Kammer – Bemerkungen zur Photographie, Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag, 1985, S. 119)

Annika Hippler (*1978 in Berlin) studierte Freie Kunst an der UdK Berlin und an der HBK Braunschweig u.a. bei John M Armleder.
Ausstellungen u.a. im ZKM Karlsruhe, Kunstverein Hannover, Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen, Kunstmuseum Celle. Aktuell sind ihre Arbeiten auch in einer Soloausstellung im Kunstverein Ingolstadt zu sehen, sowie im Istituto Italiano di Cultura, Brüssel.

Bettina Scholz

In ihren Bildern auf Leinwand, Papier und Glas untersucht Bettina Scholz Prozesse
von Verwandlungen und die Sogkraft von Bildern und Geschichten aus
verschiedenen Epochen. In der Einzelausstellung “Viele Stimmen” sind viele Einflüsse
zu sehen. Science-Fiction Szenarien aus der Literatur und dem Film spielen eine
große Rolle – besonders in den leuchtenden, auratischen Glasbildern, die kühl und
emotional zugleich wirken. Während der abgeschiedenen Atelierarbeit in der
Pandemiezeit hat Bettina Scholz sich insbesondere mit den düster-träumerischen
Welten von Odilon Redon und dem Farbrausch der russischen Malerin Marianne von
Werefkin beschäftigt, was atmosphärisch in einigen neuen Arbeiten aufzublitzen
scheint. Ihre Inspirationen aus Mythologie, Film, Musik oder der Kunstgeschichte
bezeichnet sie jedoch nicht als Quellen, sondern vielmehr als Wahlverwandtschaften,
als ein geistiges Kollektiv, das ihre eigene Arbeit wie eine Familie begleitet oder
sogar bedingt. So können Gargoyles, die geisterabwehrend auf den Dächern der
gotischen Kathedralen sitzen, ebenso Eingang in ihre Bilder finden, wie
zeitgenössische elektronische Musik aus der Clubkultur der Großstädte.
Bettina Scholz (*1979), studierte Malerei an der Kunsthochschule Weissensee und
am Chelsea College of Art in London und war Meisterschülerin in der Klasse von
Antje Majewski in Berlin. Seit 2014 hat sie einen Lehrauftrag an der Universität der
Künste Berlin, sowie seit 2021 an der Goethe-Universität Frankfurt/Main. Ihre
Arbeiten wurden u.a. in der Kunsthalle Rotterdam, den Deichtorhallen Hamburg, der
Kunsthalle Exnergasse Wien, in der Setareh Galerie Düsseldorf und dem
Künstlerhaus Bethanien in Berlin gezeigt.

Werklisten:

Annika Hippler – La chambre claire (PDF)

Bettina Scholz – Viele Stimmen (PDF)

 

Ausstellungsansichten:

(Photos von Adam Naparty)

 

ARTIST
Annika Hippler & Bettina Scholz

TYPE
Exhibition

FINISSAGE
If possible according to current Corona rules and regulations
27.06.2021 from 18:00 to 22:00

EXHIBITION
Duration: 12.05.2021 – 27.06.2021

VISITING
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